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Montag, 15. Januar 2018

Winterdomizil





Winterdomizil
im Yachthafen ankern
Wasserhühner




(winter residence / anchor in the marina / coots)

Brigitte ten Brink




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Im Hafen

Vor meinem Fenster fliesst ein Bach,
Der hält die ganze Nacht mich wach,
Singt immerfort sein Sehnen
In ungestillten Thränen.

Und seinen Tropfen träum ich nach ...
Da rinnen mit dem rauschenden Bach
Gedanken in die Fernen,
Bis zu den stillsten Sternen.

Sie rinnen in die tiefe Flut
Der Ewigkeit. Da ruht sichs gut.
Da ruht sichs in dem Hafen,
Wo alle Stürme schlafen.

Karl Ernst Knodt (1856-1917)
Aus der Sammlung Erster Teil




Sonntag, 14. Januar 2018

Blick vom Berg







Blick vom Berg
die Straße
und der geteilte Winter




(View from the mountain / the street / and the splitted winter)

Friedrich Kelben




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © pixabay



Samstag, 13. Januar 2018

Sonniger Morgen






Sonniger Morgen -
ein Regenbogen knüpft den Wald
an den Schneehang





(Sunny morning - / a rainbow ties the wood / to the snow slope)

Valeria Barouch



 
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Sonniger Wintertag

Den Tag vorher umwettert und durchstürmt,
Steht nun der Wald von Neuschnee übertürmt;
Es kriecht ein jeder Baum in sich hinein.
Wie tausend tiefe Nächte, schwer und stumm,
Steht dumpfes Schweigen um das Tal herum
Und schließt der Dinge Sommersehnsucht ein.

Doch übers Tal, da wölbt sich weltenweit
Das Firmament in blauer Ewigkeit.
Die Sonne jubelt froh in ihrem Lauf,
Und mit den Strahlenfingern frauenfein
Greift sie in das verschneite Tal hinein
Und hebt der Dinge Sehnsucht zu sich auf.

Alfons Petzold (1882-1923)
Aus der Sammlung Der Wanderer




Freitag, 12. Januar 2018

Schlittenabfahrt





Schlittenabfahrt
immer öfter verliere ich
die Spur






(sleigh-run / with increasing frequency I lose / the trace)

Birgit Heid




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Peter Smola / pixelio.de




Donnerstag, 11. Januar 2018

Winternacht





Winternacht
plötzlich so lang ... die Worte
der Fremden




(winter night / suddenly so long ... the words / of strangers)

 Gabriele Hartmann





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In der fremden Stadt

Lange Häuser schwarz verborgen, -
Menschen, ganz in dunkler Tracht,
Gehn und tragen ihre Sorgen,
Ihre Freuden durch die Nacht.

Kein Gesicht ist zu erkennen,
Ob in Lust, ob schmerzentstellt, -
Und dies Treiben und die Rennen
Eine bange Märchenwelt!

Lichter scheinen, und es runden
Menschen sich herum im Kreis,
Scherz und Spiel vertreibt die Stunden,
Ernste Rede laut und leis.

Dort die Fenster glanzgerötet, -
Ist’s ein Sarg, ist’s Hochzeitslust?
Alles fremd, das Herz nur betet:
Fried‘ und Segen jeder Brust!

Adolf Ritter von Tschabuschnigg (1809-1877)




Mittwoch, 10. Januar 2018

Frostnacht






Frostnacht 
die heisere Stimme
einer Geige




(frosty night / the hoarse voice / of a violin)

Gerda Förster





(Erstveröffentlichung: Haiku heute, Ausgabe Februar 2015)
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Wind und Geige

Drinnen im Saal eine Geige sang,
sie sang von Liebe so wild, so lind.
Draussen der Wind durch die Zweige sang:
Was willst du, Menschenkind?

Drinnen im Saale die Geige sang:
Ich will das Glück, ich will das Glück!
Draussen der Wind durch die Zweige sang:Es ist das alte Stück.

Drinnen im Saale die Geige sang:
Und ist es alt, für mich ist's neu.
Draussen der Wind durch die Zweige sang:
Schon mancher starb an Reu.

Der letzte Geigenton verklang;
die Fenster wurden bleich und blind;
aber noch lange sang und sang
im dunklen Wald der Wind ...

Was willst du, Menschenkind ...

Christian Morgenstern (1871-1914)
Aus der Sammlung Ein Sommer



Dienstag, 9. Januar 2018

weekly market





weekly market
on a rack
candles with coffee beans
granny loved it too
slurping from the saucer*




(Wochenmarkt / auf einem Regal / Kerzen mit Kaffeebohnen / Großmutter hat es geliebt / von der Untertasse zu schlürfen)

Ramona Linke



*(Erstveröffentlichung: Gogyoshi Monthly, Issue Three, January 2016)
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 Foto: © doro52 / pixelio.de