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Dienstag, 22. August 2017

Hinterhofhitze





Hinterhofhitze -
ein Mädchen lässt
die Katzen hinein*




(Backyard Heat - / a girl lets / the cats go in)

Gerd Börner




*(Erstveröffentlichung: Hinterhofhitze 2005)
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Die Katzen

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.

Aus der Sammlung Das frühe Fest




Montag, 21. August 2017

zwischen zwei fingern







zwischen zwei fingern

den sommer zerreiben

wilder majoran





(between to fingers / grinding the summer / wild marjoram)

Birgit Schaldach-Helmlechner




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Foto: © uschi dreiucker / pixelio.de




Sonntag, 20. August 2017

angekommen





angekommen -
sorgsam fülle ich das blau
in meine leere palette






(arrived - / carefully I fill the blue / in my empty palette)





(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Ankunft

Nimm des alten Treibens Müden,
Nimm mich gütig auf, o Süden,
Flüchtig, bittend komm’ ich dir.
Gönne du von aller Schöne
Deiner Blüten, deiner Töne
Nur ein kleines Teilchen mir.

Nicht das alte Freudenleben,
Das ich, das mich aufgegeben -
Nutze such’ ich, kurze Rast.
Jugend bei Zypressenbäumen
Such’ ich nicht, doch lasse träumen
Schön von ihr den trüben Gast.

Nicht in schönsten Pinienhainen
Kann sie wieder je erscheinen,
Wem sie einmal ward geraubt -
Aber beuge, aber neige
Deines Ölbaums Friedenszweige
Kühlend auf mein heißes Haupt.

Moritz Hartmann (1821-1872)
Aus der Sammlung Aus dem Süden
 
 
 
 

Samstag, 19. August 2017

bussardrütteln






bussardrütteln
in der stille der felder
zwei jogger




(buzzard shake / in the quietness of fields / two joggers)

Peter Wißmann




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Bernd Kasper / pixelio.de




Freitag, 18. August 2017

dein





dein
dennoch
roter mohn





(your / nevertheless / red poppy)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Dennoch.

Und wurde auch mein Hoffen immer schwächer,
Ich hoffe dennoch, wie am Kreuz der Schächer,
Auf’s Paradies. – Ich hoffe auf Erlösung
Der Menschheit aus dem Grabe der Verwesung,
Des Drucks, der Tyrannei, der schnöden Mache –
Ich hoffe auf den Sieg der guten Sache.

Heinrich Kämpchen (1847-1912)
Aus der Sammlung Heimat



Donnerstag, 17. August 2017

in soil






in soil
half of the bottle cap . . .
he paints a blue sky



 
(im Boden / der halbe Flaschenverschluss . . . / er malt einen blauen Himmel)

Nicholas Klacsanzky (Ukraine)




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Klicker / pixelio.de




Mittwoch, 16. August 2017

Augustrasen





Augustrasen
knirschende Schritte
auf Stroh






(august lawn / crunching steps / on straw)

Kurt F. Svatek




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Ruhlose Schritte

So wollte Gott, ich hätt' dich nie gesehn!
Ich lausche zitternd, wie die Stürme gehn
Mit ihrem scheuen, ruhelosen Schritt
Und schluchze auf - und wandre müde mit.

Es war ein Tag, da jauchzt' ich in ihr Wehn!
Wie ist mir nun so bitter Leid geschehn -
Ach, der mich küßte, ließ mich bald allein,
Es weckt kein Sturm mir den Gesellen mein.

Anna Ritter (1865-1921)
Aus der Sammlung Fremdes Leben